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(UN Deklaration der Menschenrechte)

Version 9 vom 23. August 2008
Herkunft der bessarabischen Familien: Bessarabien

Inhalt

Einleitung

Im folgenden wird aufgeführt, woher die Einwanderer verschiedener bessarabischer Ortschaften stammen. Die Auswahl erfolgte vor dem Hintergrund, die Herkunft der Familie Böttcher zu bestimmen. Zu den Orten sind auf einer anderen Seite Einwanderungslisten aufgeführt.

Beim Studium der Quellen wird deutlich, daß die Einwanderer die ihnen zugewiesenen Gebiete in mehreren Zügen erreichten. Die Familien konnten teilweise nicht untergebracht werden und verteilten sich daher in die umliegenden Dörfer. Außerdem dauerte es länger, bis alle Hofstellen besiedelt waren. Tarutino wurde beispielsweise 1814 gegründet, die letzte Hofstelle aber erst 1816 besetzt. Dies ist beim Lesen der überlieferten Einwanderungslisten zu beachten. So erklärt sich folgender Sachverhalt: In der Einwanderungsliste von Kulm finden sich die Familien von Christoph Böttcher und Johann Banko. Nachkommen beider siedeln in Kulm. Christoph Böttcher stirbt jedoch in Leipzig und ist vermutlich mit bei seinem Sohn untergekommen. In Tarutino findet sich ein Franz Banko und der für Kulm genannte Johann Banko und seine Ehefrau sterben in Tarutino, beide werden dort wohl ihr Altenteil gehabt haben. Es ist z.B. für Kulm bekannt, daß die Ansiedler auch in neugegründete Nachbargemeinden zogen. Die freigewordenen Hofstellen wurden wieder durch Zuzügler besetzt. Zu diesen Zuzüglern gehört beispielsweise die ursprünglich aus Wittenberg stammende Familie Guse. Für Paris sind leider kaum Herkunftsorte angegeben, aber auch hier zeigt sich, wie wichtig ein Querlesen der Daten ist. So findet sich beispielsweise in der Einwanderungsliste von Katzbach (gegründet 1821) der Hinweis, daß dort ein Johann Kison gesiedelt hat, der 1816 aus Himmelspringin Preußen gekommen ist. Wie im Kapitel zu Paris erwähnt, ist dort die Familie Kison ebenfalls ansässig gewesen und vermutlich hugenottischer Herkunft. Paris wurde 1816 gegründet. Es ist daher zu vermuten, daß Johann aus Paris nach Katzbach gezogen ist und andere Familienmitglieder in Paris verblieben sind.

Für die Bestimmung der Herkunftsorte kann es auch hilfreich sein, darauf zu achten, woher z.B. die ersten Taufpaten der Kinder stammen, denn wie schon für die Warschauer Kolonisten dargelegt, zogen die Familien gerne zusammen weiter, um in der neuen Heimat mit bekannten Personen gemeinsam zu siedeln. Vor diesem Hintergrund ist es hilfreich, neben den Orten, aus denen die Ansiedler stammen, auch das Gründungsjahr der Gemeinde zu kennen. Nachdem 1814 die Gemeinden Tarutino, Borodino und Krasna gegründet worden sind und 1815 Kulm, Leipzig, Malojaroslawetz I (Wittenberg) und Klöstitz, 1816 Beresina hinzugekommen waren, wurden diese Kolonien zu einem Gebiet vereinigt. Als Sitz des Gebietsamtes wurde Wittenberg gewählt. Die Lage war ungünstig, da der Ort am Rande des Gebiets lag. 1823 zog die Hälfte der Gemeinde aus, um Malojaroslawetz II (Alt Postal) zu gründen; gleichzeitig wurde der Sitz des Gebietsamtes ebenfalls nach Alt Postal verlegt.

Karte Bessarabien

Übersichtskarte von Bessarabien: Lage der Mutterkolonien.

Zur Besiedelung Krasnas ist anzumerken, daß dies nicht immer eine rein katholische Gemeinde war. Ursprünglich siedelte hier auch eine größere Anzahl evangelischer Familien, die später nach und nach in andere Kolonien, z.B. nach Katzbach übersiedelten. In Tarutino hingegen hatten sich ursprünglich einige katholische Familien angesiedelt, die aber außer der Familie Bogner wieder abwanderten.

Tom Stangl ist der Meinung, daß alle bessarabischen Kolonisten zunächst über Odessa zogen.(3) Zu Beginn der Einwanderung waren die zukünftigen Siedlungen noch nicht vorbereitet und viele Familien wurden zunächst beiderseits des Dnjestr bis 1815 oder 1816 untergebracht. Deshalb findet sich in bessarabischen Aufzeichnungen oftmals die Angabe, daß jemand in der "Moldau" zwischen 1814 und 1816 geboren sei. Er fand Einträge, die darauf hinweisen, daß einige dieser Orte südlich von Tiraspol, am östlichen Ufer des Dnjestr, in der Nähe von Odessa liegen. Seiner Meinung nach zogen zunächst ALLE früher bessarabischen Kolonisten aus "Polen" zuerst nach Odessa. Von dort wurden sie in die Moldawischen Orte am Dnjestr geschickt, um auf die Vorbereitung der bessarabischen Siedlungen zu warten. Zwar ist es möglich, daß spätere Zuzügler direkt nach Bessarabien zogen, aber er bezweifelt dies und merkt an, daß es wohl ebenfalls vorgeschrieben war, zunächst nach Odessa zu gehen, um von dort einer Kolonie zugewiesen zu werden.

In diesem Zusammenhang muß man sich mit dem Neurußland-Fürsorgekontor für ausländische Ansiedler beschäftigen, um die Zusammenhänge besser zu verstehen: (7), (8)

Das Fürsorgekontor für ausländische Ansiedler in Saratov wurde 1797 gegründet, um die Betreuung der Siedler zu verbessern. Diese war zuvor mangelhaft gewesen und die den Siedlern zugestandenen Rechte wurden nicht respektiert, so daß man sich durch die Gründung des Fürsorgekontors eine Verbesserung versprach. Zudem erhielten die Saratover Kolonien eine Selbstverwaltung und waren nicht mehr der russischen Zivilverwaltung unterstellt. Dieser Ansatz wurde auch 1799 zugrunde gelegt und zur Verwaltung aller ausländischen Kolonien auf dem Gebiet von Neurußland das Neurußland-Fürsorgekontor für ausländische Ansiedler gegründet. Die Besiedelung des Gebietes um Odessa begann schließlich im Jahre 1803 und in Odessa wurde ein Kontor eingerichtet. Unter den zwischen 1800 und 1818 und vom Neurußland-Fürsorgekontor betreuten Kolonien befinden sich auch die zwischen 1814 und 1817 in der ersten bessarabischen Siedlungsperiode gegründeten Kolonien im Destrikt Malojaroslawetz (Wittenberg) und Klöstitz. 1817 betreute das Neurußland-Fürsorgekontor 84 Kolonien (16 967 Personen) und die Kanzlei in Odessa noch einmal 44 Kolonien ( 15 499 Personen). Zusätzlich kamen noch viele ausländische Siedler hinzu, die die russischen Provinzen 1817 erreichten.

Aufgrund der gestiegenen Zahl der Siedler und Kolonien wurde es notwendig, die Verwaltung derselben umzustrukturieren. Unter der Leitung des neugegründeten Fürsorgekomitee für ausländische Ansiedler in Südrußland entstanden 1818 die Hauptstelle in Cherson und Zweigstellen in Jekaterinoslaw (1819) (heute Dnipropetrowsk), in Odessa und für Bessarabien in Kishinev, das 1818 zur Hauptstadt Bessarabiens wurde, nachdem Rußland Bessarabien 1812 übernommen hatte. Zuvor war Tighina die Hauptstadt. Die zweite bessarabische Siedlungsperiode begann 1821 und endete 1842 mit der Gründung von Hoffnungsthal. Der Zuzug von Auswanderern aus Deutschland stoppte und die staatliche russische Kolonisierung endete. Danach setzte im Land eine Binnenkolonisation durch private Siedlungstätigkeit ein. Für diese zweite Siedlungsperiode ist dabei zu beachten, daß es sich bei den Neugründungen oftmals auch um Umsiedlungen innerhalb Bessarabiens handelt, wie beispielsweise im Fall von Wittenberg, als die Hälfte der Gemeinde auszog, um Alt Posttal zu gründen.

Wie auch weiter unten für Paris beschrieben, kann es zur Bestimmung der Ursprungsheimat der Siedler hilfreich sein, den in den bessarabischen Siedlungen gesprochenen Dialekt zu beachten. Im Heimatbuch Friedenstal wird darauf eingegangen: "Unser Landsmann und Germanist Albert Eckert hat im Sommer 1938 versucht, anhand des Sprachatlasses des Deutschen Reiches und der Hauptmerkmale der bessarabischen Mundarten eine Gesamtgliederung vorzunehmen und eine Beheimatung im deutschen Sprachraum zu finden. Die Darstellung Eckerts hat sich auf die 24 deutschen Mutterkolonien beschränkt. Eckert hat die bessarabischen Mundarten in drei große Gruppen gegliedert: 1. in die niederdeutschen, die in den gemeinden Arzis, Neu-Arzis, Paris, Brienne, Leipzig, Kulm und Tarutino gesprochen wurden, 2. in die mitteldeutsche der Gemeinde Krasna 3. in die oberdeutschen, die in allen übrigen Dörfern, ausgenommen Alt-Elft, vertreten waren. Bei den oberdeutschen Mundarten hat Eckert die Gemeinden wiederum in drei Untergruppen aufgeteilt: 1. Gemeinden, in denen noch deutliche schwäbische Merkmale vorherrschten (Sarata, Gnadental, Lichtental, Teplitz, Alt-Posttal und Wittenberg), 2. Gemeinden, in denen sich noch fränkische Merkmale zeigten 3. Gemeinden, in denen sich die verschiedenen auffallendsten sprachlichen Merkmale anglichen, die gemeinsamen dagegen behalten wurden. Zu diesen Gemeinden zählte er Dennewitz, Plotzk, Neu-Elft, Katzbach, Beresina und Friedenstal. Dadurch gehörte auch Friedenstal zu der neuschwäbischen Gruppe. Die in Friedenstal gesprochenen Mundarten haben sich seit der Gemeindegründung sehr stark gewandelt. Die ersten Ansiedler stammten überwiegend aus dem Königreich Preußen. Entsprechend hat auch die niederdeutsche Mundart vorgeherrscht. Bis 1842 zogen viele Einwanderer der ersten Stunde wieder weg. An ihre Stelle kamen neue Siedler aus anderen bessarabischen Gemeinden und aus deutschen Kolonien bei Odessa in Südrußland." (10)

[Quellen: (1) , (2) ]

Kulm

Die Siedler erreichten Bessarabien im Herbst 1814 und wurden in den nächstgelegenen moldauischen Dörfern untergebracht. Gebaut wurde erst im Frühjahr 1815. Insgesamt waren im Frühjahr 1815 124 Familien angekommen mit 270 männlichen und 250 weiblichen Personen. Die meisten von ihnen kamen aus Polen, aus dem Großherzogtum Warschau, doch waren auch viele aus Preußen und anderen Gegenden Nordwestdeutschlands. Das den Siedlern zugewiesene Land reichte jedoch nur für knapp 108 Familien, so daß die übrigen Familien teils anderswo angesiedelt wurden, teils aber im Ort blieben, um als Handarbeiter oder Handwerker zu arbeiten. Das Dorf hieß zunächst Madar. Auch der Name Paulsberg ist überliefert.

Da Kulmer in neugegründete Tochtergemeinden übersiedelten, wurden die freigewordenen Höfe von Zuzüglern übernommen. So stammt beispielsweise die Familie Guse aus Wittenberg.

Im Gemeindebericht von 1848 wird auf die Herkunft der Siedler näher eingegangen:

"Ursprünglich hatten sich in der Kolonie 80 Familien niedergelassen, welche zusammen einen Transport von Polen nach Rußland bildeten, später wurden noch von anderen schon vollzähligen Kolonien 28 Wirthe nach Kulm übergeführt, um die Wirtschaftsstellen zu der Zahl von 108 zu ergänzen. Die Mehrzahl der Einwanderer bestand aus solchen, welche in dem Königreich Polen geboren waren, indem ihre Väter in früherer Zeit sich als preußische Auswanderer nach Polen übersiedelt hatten. Ihre früheren Ansiedlungsgebiete waren im Herzogtum Posen, andere wieder in dem Bezirke von Plotzk, Kalisch und Warschau. Nur einige waren aus dem Königreich Preußen, aus der Provinz Brandenburg. Die meisten Einwanderer dieser Kolonie kamen mit dem Reisezug im Jahre 1814 unter der Leitung des verstorbenen Gottfried Radach. Sie fanden die Steppe, welche ihnen angewiesen wurde, mit 3 moldauischen Pächtern besetzt. Eingerichtete Häuser zu ihrer Aufnahme waren nicht vorhanden, und erst nach einem fünfmonatigem Aufenthalt wurde zum Aufbau der Häuser geschritten."

Die nach Kulm eingewanderten Familien sind auf einer anderen Seite in einer Einwanderungsliste aufgeführt.

[Quellen: (1) ]

Leipzig

Im Herbst 1814 kamen die Einwanderer an und mußten in moldauischen Dörfern Winterquartier suchen. Insgesamt waren die Einwanderer in drei Züge angekommen. Da es aber nicht selten geschah, daß sich ein Reisezug zerteilte und sich auf verschiedenen Ansiedlungen niederließ, gab es auch in Leipzig Kolonisten, die nicht mit dem Hauptzug, sondern vereinzelt kamen. Im Frühjahr 1815 erreichten die Siedler Tarutino und 126 Familien wurde Land zugewiesen. 1843 kamen noch 15 Familien nach Leipzig, die aus den Kolonien Worms und Rohrbach bei Odessa stammten und laut Stumpp angeblich weitere 6 Familien aus Baden. Da nur 126 Hofstellen vorhanden waren und damals wohl die Hofstellen noch nicht geteilt werden konnten, müssen andere Leipziger Kolonisten Leipzig verlassen und ihre Höfe aufgegeben haben.

Leipzig als damals nördlichste deutsche Kolonie in Bessarabien und wurde zunächst unter dem Namen Skinos gegründet, nach anderthalb Jahren wurde die Kolonie auch Catharinenruh genannt und wurde 1817 in Leipzig umbenannt. (6), (9)

Die nach Leipzig eingewanderten Familien sind auf einer anderen Seite in einer Einwanderungsliste aufgeführt.

Beresina

Die nach Beresina eingewanderten Familien sind auf einer anderen Seite in einer Einwanderungsliste aufgeführt.

Tarutino

Als die Siedler Bessarabien erreichten, waren für 100 Familien nur etwa 50 Häuschen fertiggestellt und die übrigen Familien - ähnlich wie auch in Borodino und Krasna - wurden in verschiedenen moldauischen Dörfern untergebracht. Genannt werden Galbin, Tschimischlija, Mardar [das ist Kulm!], Koperach, Tschugrik, Boragan, Tomai und andere. Erst mit Beginn des Sommers 1814 beginnt der Häuserbau. Anspruch auf einen Landanteil hatten nur Familienväter. Erst 1816 wurden die letzten Hofstellen besiedelt. Daher ist es schwierig, die ursprüngliche Zahl an Familien und Personen festzustellen. Die erste amtliche Statistik aus dem Jahre 1827 weist 939 Personen aus und ordnet sie nach dem Heimatland, aus dem sie stammen. Es wird angegeben: Pastor 1, Preußen 514, Polen 248, Mecklenburger 88, Württemberger 70, Franzosen 9, Böhmen 4, Österreicher 2, Sachsen 2, Ungarn 1.

Das Platt Tarutinos stimmte auffallend mit dem überein, das in der Odergegend gesprochen wird. Dies ist ein zusätzlicher Hinweis auf die Herkunft der meisten Familien. Einige stammen aus dem Netzebruch, denn in der Geschichte der Gemeinde Tarutino wird berichtet, daß nachdem der Kontakt mit der alten Heimat abgebrochen war und Bessarabien mit der Eisenbahn erreichbar wurde es Wilhelm Hammel und Wilhelm Zarbock wagten, "die Reise ins Land ihrer Väter zu unternehmen (1877). Ersterer, 1811 noch draußen geboren, wollte sehen, wo seine Wiege gestanden. Unweit Schönlanke lag sein Geburtsort ... [* in Pennsylvanien 1811]. Zarbock reiste im folgenden Jahre zum zweiten Male hinaus, um sich alles „genauer anzusehen“. Seinem Besuche folgte bald ein Gegenbesuch eines nahen Verwandten gleichen Namens und der des im Oktober 1925 verstorbenen Gust. Zarbock. Jenen beiden Alten waren unseres Wissens die ersten, welche die Heimat der Väter kennen lernten."

Auch der Gemeindebericht von 1848 verdeutlicht, wie die Ansiedlung erfolgte: "Die Kolonie Tarutino, nächst Borodino die zuerst in hiesiger Gegend gegründete, ist im Jahre 1814 in der Provinz Bessarabien... angelegt worden. ... Gleich nach Ansiedlung der Deutschen ward für dieses Dorf von der hohen Obrigkeit der Name Elisabeth beliebt, der an die drei Jahre in Geltung blieb, bis von der Regierung anno 1817 der jetzt offizielle Name Tarutino, zum Andenken an die Schlacht bei Tarutino den 18. Oktober 1812 vorgeschrieben ward. ... Die früheren [zehn molduanischen] Pächter, die von der hohen Krone das Land inne hatten räumten es den Deutschen, welche teils aus dem Königreich Preußen, teils aus Preußisch Pommern, Polen und Mecklenburg in verschiedenen Reisezügen von einem russischen Beamten geleitet, eingewandert waren. Sie fanden hier aus Strauchwerk geflochtene und mit Lehm beworfene Hütten, die zur Aufnahme von 100 Familien bereitet waren, vor. ... Übrigens sind die Einwanderer nicht in einem Zuge, sondern in verschiedenen kleinen Partien hier angekommen. Im Jahre 1816 erst war die Kolonie vollständig in ihrem gegenwärtigen Bestande von 136 Wirten angesiedelt."

Die nach Tarutino eingewanderten Familien sind auf einer anderen Seite in einer Einwanderungsliste aufgeführt.

[Quellen: (2) ]

Paris

Die Herkunft der Pariser ist aus den erhaltenen Quellen nicht ersichtlich. Meistens ist nur Polen oder Preußen angegeben, lediglich bei einigen Schwaben sind Orte angegeben. Trotzdem läßt sich aufgrund der Namen und des Dialektes ihre Herkunft rekonstruieren. Alles deutet auf Hugenotten und eine Einwanderung über den Netzedistrikt hin.

Artur Suckut schreibt: "Als wir im Zuge der Umsiedlung 1940 in das Zwischenlager Semlin bei Belgrad (Jugoslawien) kamen, wurden ja alle Umsiedler untersucht. Die dortigen Ärzte und Lagerverwalter waren nicht nur über den Namen Paris (Bessarabien) erstaunt, noch mehr staunten sie über unsere Namen. Zwei Männer von ihnen waren Hobby-Sprachforscher und kannten sich aus in Namen usw. Gleich sagten die zu uns: „Ihr müßtet alle nach Paris (Frankreich), ihr seid ja Franzosen bzw. Hugenottennachkömmlinge." Damals wußten wir ja nichts von den Hugenotten. Diese Leute zählten gleich Namen auf, die ihrer Kenntnis nach hugenottischer Herkunft seien: Allmer, Fano, Fercho, Jans, Kison, Konrad, Kroisandt, Reppnack, Salo, Suckut, Wornath - um nur einige zu nennen. Die Schreibweise der Namen habe sich zwar geändert, wurde „eingedeutscht"; die Linie aber käme aus Frankreich, dessen seien sie sich sicher."

Am 29. Oktober 1685 erließ Friedrich Wilhelm, der große Kurfürst, das "Edikt von Potsdam" und versprach den verfolgten Hugenotten eine Aufnahme in seinem Land. Daraufhin ließen sie sich im gesamten Land nieder, häufig auch in geschlossenen Siedlungen. Sie erhielten eigene Gemeinde-, Kirchen- und Schulverwaltungen und eine eigene Gerichtsbarkeit. Seine Nachfolger setzten dieses Werk fort. Insgesamt kamen wohl 20000 Hugenotten nach Preußen. In Folge der drei Teilungen Polens (1772, 1793 und 1795) siedelten diese hugenottischen Familien auch in den neugewonnenen Gebieten gemeinsam mit anderen Deutschen. Dies ist zumindest für den Netzedistrikt nachweisbar und es kann davon ausgegangen werden, daß dies in den übrigen Gebieten auch der Fall war.

Auch die Sprache der Pariser deutet auf das Netzegebiet hin. Artur Suckut berichtet: "Die deutlichste sprachliche Spur aber ist im gesamten Netzedistrikt anzutreffen. Hier habe ich während des Krieges (dort waren wir angesiedelt) viele Menschen gesprochen, fast haargenau unsere Pariser Mundart. Hier sind auch viele unserer Namen daheim gewesen. Manche von ihnen konnten noch erzählen, daß Verwandte weitergezogen seien über Posen, Kalisch, Lodz, Warschau nach Rußland, hauptsächlich nach Bessarabien. Im Raum Filehne-Schönlanke-Schneidemühl und anderswo sind überall Pariser Namen gewesen. Aus dem Raum Lodz-Petrikau-Pabianice-Lask usw. traf ich im Krieg Leute mit unseren Namen; auch sie erzählten ähnliches wie die aus dem Netzedistrikt. Nach der Ansiedlung im Warthegau 1941/42 kamen viele unserer Pariser in den Kreis Scharnikau und in den Nachbarkreis Eichenbrück. Hier sei folgende Geschichte erzählt, die von Emil Ziebart stammt, der während eines Urlaubs seinen Bruder Willi besuchen wollte, der in Mühlingen, Kreis Scharnikau, angesiedelt war. Schon ab Rogasen, wo er umsteigen mußte, hörte er im Nebenabteil des Zuges unsere Mundart sprechen und ging rüber, in derAnnahme, es seien Landsleute. Wie erstaunt war er, daß es nicht Pariser, sondern reine Polen bzw. polnische Volksdeutsche waren. Sie sagten ihm, daß sie immer so reden würden, daß es ihre Mundart sei.
In Mühlingen angekommen, suchte er nach seinem Bruder. Aus einem Hof heraus hörte er wieder die gleichen Laute und dachte, das seien aber echte Pariser. Doch weit gefehlt: wieder waren es Einheimische, ob Polen oder Volksdeutsche - in seiner Verblüffung hat er nicht mehr weiter danach gefragt. Jedenfalls haben wir hier die eindeutige Bestätigung, daß hier lange Zeit der Wohnsitz der späteren Pariser Kolonisten gewesen sein muß."

Die nach Paris eingewanderten Familien sind auf einer anderen Seite in einer Einwanderungsliste aufgeführt.

[Quellen: (4) ]

Wittenberg

Die Wittenberger Siedler kamen unter anderem aus der Gegend um Łódź (Grömbach / Łaznowska Wola, Neu-Sulzfeld / Nowosolna, Erdmannsweiler / Kochanow, Effingshausen / Starowa Góra, Königsbach / Bucowiec, Ofterdingen / Michalow, Friedrichshagen / Augustow, Olechow und Wiaczyn-Gorny) ... 1823 zog die Hälfte der Gemeinde aus, um Malojaroslawetz II (Alt Postal) zu gründen.

Die nach Wittenberg eingewanderten Familien sind auf einer anderen Seite in einer Einwanderungsliste aufgeführt.

[Quellen: (5) ]

Fußnoten

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