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Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. Jeder hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.
(UN Deklaration der Menschenrechte)

Version 2 vom 3. August 2007
Herkunft der bessarabischen Familien: Die Warschauer Kolonisten

Um die Herkunft der bessarabischen Einwanderer bestimmen zu können, ist es wichtig, den geschichtlichen Hintergrund zu kennen. Die Einwanderer können in zwei Gruppen eingeteilt werden. Die kleinere von beiden wanderte direkt aus Deutschland (z.B. Württemberg, Baden, Bayern) ein und siedelte in Teplitz (1817), Sarata (1822), Gnadental (1830) und Lichtental (1834). Die größere Gruppe hingegen zählt zu den sogenannten Warschauer Kolonisten aus dem 1807 nach dem Frieden von Tilsit von Napoleon eingerichteten Großherzogtum Warschau, die von dort zwischen 1814 und 1839 nach Bessarabien auswanderten, um hier die Mutterkolonien zu gründen. Diese Wanderbewegungen sind eng mit der polnischen und preußischen Geschichte verknüpft.

Von Interesse ist hierbei insbesondere:

  • 1772: Erste Teilung Polens.
  • 1776: Grenzvergleich mit Warschau.
  • 1793: Zweite Teilung Polens.
  • 1795: Dritte Teilung Polens.

Am 1. September 1798 erließ Friedrich Wilhelm III von Preußen eine "Energische Order zur Weiterführung der Kolonisation in den neuerworbenen Provinzen Südpreußen und Neu-Ostpreußen". Preußen war nicht stark bevölkert, und so wurden, um die Siedlungsdichte in Preußen nicht zu verringern, außerhalb Preußens Siedler für die neuerworbenen Gebiete gesucht. In Württemberg setzte daraufhin eine zweite Auswanderungswelle, hauptsächlich nach Südpreußen, ein. Die Behörden hatten aus ihrer Erfahrung in Westpreußen gelernt, daß es den Siedlern leichter viel, mit Personen aus der unmittelbaren Umgebung ihrer Heimat eine neue Gemeinschaft aufzubauen. Ist die Herkunft einer Familie unbekannt, lohnt es sich daher darauf zu achten, wann die Ansiedlung erfolgte und woher die übrigen Siedler in der unmittelbaren Nachbarschaft stammen.

Bis zum 10. April 1800 wurden so 445 württembergische oder badische Familien in Südpreußen angesiedelt, die meisten davon in den östlich von Lodz neu gegründeten Siedlungen. Insgesamt wurden in der östlichen Hälfte Südpreußens von der Kammer Warschau bis Mitte 1803 1103 Familien angesiedelt. Nimmt man die Kammern Posen und Kalisch hinzu, ergibt sich bis Ende 1804 die Anzahl von 8495 in Südpreußen angesiedelten Familien. Dabei waren die Ansiedlungen in der Regel über den gesamten Raum verstreut, nur um Lodz bildeten die Dörfer eine etwas dichtere Gruppe. Die ab 1800 einsetzende Gründung von "Schwabendörfern" vollzog sich in Südpreußen vor allem von vier Domänen aus: Laznow, Tcaczen, Zdiechow und Pabianice. Von der Domäne Laznow, südöstlich von Lodz gelegen, wurden u.a. die Siedlungen Grömbach (1800), Neu-Sulzfeld (1801), Wiaczyn (1804) und Grünberg (1805) gegründet.

Die Siedler hatten sechs Jahre Abgabefreiheit erhalten, und so sollten z.B. die Siedler von Grömbach am 1. Dezember 1806 mit der Zahlung ihres Erbzinses beginnen. Da sie hierzu aber aufgrund widriger Umstände noch nicht in der Lage waren, hätten sie laut §15 der Vereinbarung im Falle eines Notstandes hiervon befreit werden können. Da aber die Gegend 1807 an das neugegründete Großherzogtum Warschau fiel, mußten die Abgaben jedoch gezahlt werden. Deshalb verließen viele der ursprünglichen Siedler ihren Besitz, veräußerten ihn und zogen entweder nach Wolhynien oder zurück in ihre ursprüngliche Heimat.

Die so freigewordenen Landstellen wurden fast alle in den Besitz pommerscher Bauern über. Die Besiedelung von Südpreußen erfolgte also nicht nur aus Württemberg. Vielmehr finden sich auch viele Personen, die in Westpreußen plötzlich verschwunden sind, in Südpreußen wieder. Unter den bessarabischen Einwanderern sind auch Familien, die zuvor im Netzedistrikt gesiedelt haben. Dieser war Teil Westpreußens, welcher ab 1772 aus dem Marienwerder Kreis und einem Teil Großpolens gebildet wurde. Es war dies der Landstrich, der sich auf beiden Seiten der Netze fast von ihrem Ursprung bis zur Grenze der brandenburger Neumark hinzieht. Dieser „Netzedistrikt“ erhielt eine eigene Verwaltung in Bromberg, der Marienwerden unterstellt war, wurde aber in jeder Hinsicht als zweiter Hauptteil Westpreußens angesehen. Der größte Teil dieses Netzedistriktes wurde 1815 der neugebildeten Provinz Posen zugeschlagen.

Die Deutschen des Herzogtums Warschau wurden später durch den Zaren ermuntert, nach Bessarabien zu ziehen, und so verließen viele Siedler das Land.

Es ist also festzustellen, daß unter den bessarabischen Einwanderern 2 Volksgruppen vertreten waren. Das Verhältnis zwischen Nord- und Süddeutschen kann für die ca. 6500 Erstansiedler in Bessarabien mit 3:2 angegeben werden. Mit den Gründungen der Siedlungen Sarata, Gnadental und Lichtental hat sich dieses Verhältnis mehr oder weniger ausgeglichen. Die eingewanderten Süddeutschen wurden als "Schwaben" bezeichnet, die Niederdeutschen als "Kaschuben". Bei letzteren dürfte es sich aufgrund der aktenkundlich nachweisbaren Herkunft, der Mundart, der Familiennamen und der volkskundlichen Eigenarten ganz überwiegend um Pommern handeln.

Herkunft deutscher Siedler in Mittelpolen

Herkunft deutscher Siedler
in Mittelpolen

Von besonderem Interesse ist auch die von Alfred Beyer 1935 in den Ostdeutschen Monatsheften im Artikel Deutsche Gaue in Mittelpolen veröffentlichte Karte der Herkunft deutscher Siedler in Mittelpolen. Man erkennt deutlich unterschiedliche Siedlungswellen. Für die Weichselniederung eine erste zwischen 1600 und 1650 und eine weitere ab 1750. Zwischen 1600 und 1650 ließen sich Siedler nieder, die größtenteils aus den Gebieten um Thorn, Bromberg, Kulm und Schwetz, aber auch aus den weiter entfernten Gegenden um Graudenz, Neuenburg, Marienwerder, Dirschau und aus dem Danziger Großen und Kleinen Werder stammten. Diese Gegeden wurden bereits im 16. Jahrhundert von niederländischen und friesischen Mennoniten besiedelt. Diese Siedler werden als "Niedrunger" bezeichnet. Einige Familien sollen auch aus Vor- und Hinterpommern stammen. In der zweiten Siedlungswelle ab 1750 stammen die Siedler zumeist aus aus den Gegenden nördlich von Włocławek und Thorn. Die Siedler um Lipno und Rypin stammen wohl ursprünglich aus West- und Ostpreußen.

[Quellen: (1), (2), (3), (4), (5), (6) ]

Fußnoten

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